Synopsis

Ein jüdischer Junge in den Wirren des Zweiten Weltkrieges: Auf der Flucht vor der möglichen Deportation wandert das Kind durch unterschiedliche Hände. Bauer und Priester, Eheleute und Soldaten – alle nehmen das Kind eher widerwillig auf und tun ihm über kurz oder lang Gewalt an. Stumm, fast teilnahmslos, erlebt das Kind den Missbrauch als ein notwendiges Übel im harten Überlebenskampf. Ein Ende dieser Qual ist kaum abzusehen … Viele Jahre lang hat der tschechische Regisseur Václav Marhoul an der Verfilmung des skandalträchtigen Romans „Der bemalte Vogel“ des polnisch-jüdischen Schriftstellers Jerzy Kosinski gearbeitet. Die Finanzierung war nahezu unmöglich. Dass es ihm dennoch gelungen ist, sein Dreistundenwerk mit internationalen Stars wie Udo Kier, Harvey Keitel und Stellan Skarsgård auf die Beine zu stellen, darf als ein Wunder gelten. In klaren – an das Kino eines Bela Tarr erinnernden – Schwarzweiß-Bildern spürt der Regisseur den seltsam sexualisierten Gewaltakten seiner Figuren nach, ohne sie zu erklären oder psychologisch zu deuten. Daraus entsteht ein rabenschwarzer Blick in das Böse, das der Krieg erzeugt. Für die wenigen Dialoge des Films hat Marhoul sich eine Art slawisches Esperanto ausgedacht. Eine fiktive Sprache, um die unterschiedlichen nationalen Befindlichkeiten im heutigen Ost- und Mitteleuropa nicht unnötig zu provozieren. Ein genialer Einfall, da er die zeithistorisch konkret verankerte Geschichte allgemeingültig werden lässt. Seine mächtigen Tableaus menschlicher Gewalt provozieren und erschüttern. „The Painted Bird“ sucht so nach einer neuen Bildersprache im breiten Spektrum des Kriegsfilms.

Donnerstag, 28.11.2019 – 19.00 Uhr, Saal 8
Freitag, 29.11.2019 – 19:00 Uhr, Saal 8 (präsentiert von Frédéric Jaeger) – in Anwesenheit von Regisseur Václav Marhoul
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Credits

+++ Berlin-Premiere +++

OT: Nabarvené ptáče
Regie: Václav Marhoul
Drehbuch: Václav Marhoul
Produktionsland: Tschechien, Slowakei, Ukraine 2019
Produktion: Václav Marhoul
Cast: Petr Kotlár, Udo Kier, Lech Dyblik, Stellan Skarsgård, Harvey Keitel, Julian Sands, Barry Pepper
Länge: 169 min.
Sprache: interslowakisch/tschechisch/deutsch/russische OF / englische UT
Deutscher Verleih: /
Festivals: Venedig, Toronto, Vancouver, BFI, Warschau, Chicago, Kiew, Kolkata, Tokio u.v.a.
Preise: Venedig UNICEF Preis, Kolkata Beste Regie

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