Synopsis

Einen Tag auf einer tunesischen Feigenplantage verbringt man in Erige Sehiris Spielfilmdebüt „Under The Fig Trees“. Man begleitet eine Gruppe von Sommerarbeiter:innen, sieht dabei zu, wie sie die Früchte ernten, wie unterschiedliche Klassen und Geschlechter, Bekanntschaften und Liebschaften zwischen den Ästen und im Schatten der Bäume entstehen, sich annähern und wieder auseinander wandern. Es gibt hormongesteuerte Teenager, die hier ihren Sommerjob etwas lustlos, aber fingerfertig vollbringen; und es gibt die älteren Profis, vorwiegend Frauen, die mit vielen Tipps beweisen, dass sie wirklich alles über das Feigenpflücken wissen. Man isst gemeinsam, singt und plauscht. Doch das Treiben wird immer wieder von Geschichten durchzogen, die sich zwischen einigen Figuren abspielen. Zwei verliebte Teenager finden wieder zueinander, nachdem sie sich jahrelang aus den Augen verloren haben. Eine junge Frau probiert, den Kontakt zu ihrem ehemaligen Verlobten wiederherzustellen. Ein anderer Erntehelfer probiert alles, um seinen Job zu behalten, auch wenn der Plantagenbesitzer ihn ständig entlassen will. Die tunesische Regisseurin Erige Sehiri versteht es wunderbar, den kleinen Klassizismus zwischen den Figuren herauszuarbeiten. In Gesten und Worten zeigen sich die Unterschiede zwischen den Ständen und Geschlechtern. Und obwohl die Feigenpflücker meinen unter sich zu sein, stehen sie dann doch unter der ständigen Beobachtung des Besitzers. Die Überwachung bestimmt das Verhalten der Figuren geheim und unterschwellig. Keiner kann so sein, wie er sein will. Alle spielen eine Rolle, verstecken Gefühle und Leidenschaften. Damit wird „Under The Fig Trees“ zu einem wahren Panorama der tunesischen Gesellschaft. Dafür findet Sehiri sonnendurchflutete, naturverliebte Kinobilder, die fast vergessen lassen, dass wir es mit einem Spielfilm und nicht mit einer Dokumentation zu tun haben. „Under The Fig Trees“ feierte seine Weltpremiere bei den Filmfestspielen von Cannes, und zwar in der wichtigen Nebenreihe Quinzaine des Réalisateurs.

Sonntag, 04.12.2022 – 19.15 Uhr, Kino in der KulturBrauerei, Saal 5 – präsentiert von Vincenzo Bugno – in Anwesenheit von Regisseurin Erige Sehiri

Freitag, 09.12.2022 – 22:15 Uhr, Kino in der KulturBrauerei, Saal 5

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In Kooperation mit dem World Cinema Fund (WCF) der Berlinale

Credits

+++ Berlin-Premiere +++

OT: Taht el Karmouss, Taht alshajra
Regie: Erige Sehiri
Drehbuch: Erige Sehiri, Ghalya Lacroix, Peggy Hamann
Produktionsland: Tunesien, Schweiz, Frankreich, Katar, Deutschland 2022
Produktion: Henia Production, Maneki Films, Akka films, In Good Company, WCF
Cast: Fide Fdhili, Feten Fdhili, Ameni Fdhili, Samar Sifi, Leila Ouhebi
Länge: 92 min.
Sprache: arabische OF / englische UT
Deutscher Verleih: /
Festivals: Cannes, München, Toronto, London, Reykjavik, Rio, Montpellier, Valencia, Viennale u.v.a.

Offizieller Auslands-Oscar-Kandidat 2023 von Tunesien.