Synopsis

Der französische Regisseur Gaspar Noé ist Schöpfer von kultisch gefeierten Extrem-Werken wie „Irreversible“, „Enter the Void“ oder „Climax“. Ein Kino, das sich vor allem durch seine ewig pulsierenden Kameraflüge von jeglicher Konventionalität abhebt und sie sogar ablehnt. Doch als Noé dieses Jahr bei den diesjährigen Filmfestspielen von Cannes seinen neusten Spielfilm „Vortex“ vorstellte, staunten die Fachbesucher nicht schlecht über ein einzigartiges Werk, das in Noés Filmografie einen singulären Platz einnehmen wird. Der große Provokateur des europäischen Kinos präsentiert sich in „Vortex“ als ergreifend-zärtlicher Kinoerzähler, der eine geduldige Aufzeichnung der letzten Lebenstage eines älteren Ehepaares in Bilder gefasst hat. Wie groß dieser filmische Coup geworden ist, zeigt sich allein schon in der kongenialen Besetzung. Denn das filmische Ehepaar wird gespielt von der französischen Kinolegende Françoise Lebrun („Die Mama und die Hure“) und dem Kultregisseur des italienischen Horrorkinos Dario Argento („Suspiria“, „Rosso – Farbe des Todes“). Statt des üblichen exaltierten Bilderstürmertums entscheidet sich Noé diesmal für einen harten Realismus. Aber er wäre nicht er selbst, wenn er nicht auch in „Vortex“ formal experimentieren würde. Von Anfang an teilt er den Bildschirm in zwei Teile, wobei er die an Demenz leidende Ehefrau, die langsam den Kontakt zur Realität verliert, und den kranken Ehemann, der ihren Zustand nicht akzeptiert, getrennt beobachtet. Beide scheinen auf ihre letzten Tage gemeinsam einsam. In tiefer Traurigkeit über den Zustand seiner Frau probiert der Ehemann um jeden Preis, das Buch über seine geliebten Filme und Träume im Kino zu beenden. Damit verneigt sich „Vortex“ auch vor den Karrieren seiner Hauptdarsteller:innen und entpuppt sich als ergreifender Liebesbrief an die Ränder der Kinokunst. Gaspar Noés formaler Ansatz hat zudem eine bemerkenswerte Wirkung: Einsamkeit, Verwirrung und das Scheitern, mit dem eigenen Altern fertig zu werden, werden hier auf eine verblüffende Weise gezeigt, sodass „Vortex“ von der internationalen Filmkritik in eine Reihe mit Michael Hanekes „Liebe“ und Ingmar Bergmans „Schreie und Flüstern“ gestellt wurde.

Freitag, 03.12.2021 – 22.00 Uhr, delphi LUX, Saal 4

Dienstag, 07.12.2021 – 22.00 Uhr, Kino in der KulturBrauerei, Saal 6

Samstag, 11.12.2021 – 19:30 Uhr, Kino in der KulturBrauerei, Saal 5 – präsentiert von Thomas Prenn

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Credits

+++ Hommage Gaspar Noé – Berlin-Premiere +++

OT: Vortex
Regie: Gaspar Noé
Drehbuch: Gaspar Noé
Produktionsland: Frankreich, Belgien, Monaco 2021
Produktion: Rectangle Productions, Wild Bunch International, Les Cinémas de la Zone u.a.
Cast: Françoise Lebrun, Dario Argento, Alex Lutz, Kylian Dheret
Länge: 142 min.
Sprache: französische OF / englische UT
Deutscher Verleih: /
Festivals: Cannes, Locarno, Karlovy Vary, Jerusalem, New York, Busan, Brisbane, Viennale
Preise: San Sebastián Zabaltegi Preis, Hamburg Kritikerpreis